Zurück zur Startseite

Politik als Beruf?

Keines dieser Ämter war das Ziel meines politischen Engagements. Andererseits erscheint es mir rückwirkend nicht völlig unlogisch, dass es so lief. Die Linkspartei.PDS ist eine Partei, in der viele Menschen mit reicher Lebenserfahrung gesegnet sind. Von den 2 Millionen SED-Mitgliedern waren viele schon 1989/90 weg. Besonders Menschen im damals berufstätigen Alter haben aus Sorge um ihren Job ihre Mitgliedschaft aufgegeben. So gibt es ganz viele Ältere, viele Jüngere und wenige Mitglieder in der „Brückengeneration“. Vielleicht erklärt das, warum in der Linken so viele junge Menschen in solche Funktionen geraten wie ich. Darin liegt natürlich auch eine Chance für die Partei und für die Linke. Jedenfalls war ich keinem „Karrieredruck“ ausgesetzt und musste mich auch nicht – mit allem, was das bedeutet – „hocharbeiten“.  

Ein ganzes Leben in der und für die Politik kann ich mir aus heutiger Sicht nicht vorstellen. Mir war und ist immer wichtig, die Welt nicht nur aus der Perspektive der Berufspolitik zu betrachten. Ein politischer Mensch kann man auch ohne dies sein und das werde ich sicher immer bleiben. Mir sind die Kontakte mit meinen Freunden wichtig, auch mein Partner, mit dem ich – trotz kurzer Unterbrechung – seit 2000 zusammenlebe. Meine Berufsausbildung und auch meine persönliche Weiterentwicklung sind Dinge, die immer mindestens gleichrangig neben dem politischen Engagement standen. Hierfür hatte ich auch jederzeit die Unterstützung meiner Freundinnen und Freunde wie Kolleginnen und Kollegen. Im Jahr 2004 promovierte ich an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Dissertation erhielt den Goerdeler-Preis für Kommunalwissenschaften der Goerdeler-Stiftung und des Deutschen Instituts für Urbanistik sowie den John-Desmond-Bernal-Preis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg. Trotzdem würde ich heute einiges anders schreiben...

Von 2004 bis 2006 war ich Rechtsreferendar im Bezirk des Kammergerichts Berlin. Nun werde ich als Rechtsanwalt arbeiten sowie ab dem Wintersemester 2006/2007 als Lehrbeauftragter im gemeinsamen Studiengang Public Management der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft und der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin.