1992 legte ich mein Abitur ab. Dann arbeitete ich für ein Jahr als Jugendsozialarbeiter ohne Qualifikation in einem Jugendklub in Berlin-Mitte. Mit Gleichgesinnten hatte ich einen Verein für ehrenamtliche Jugendarbeit und Jugendpolitik gegründet: wir betrieben ein Jugendzentrum in der Torstraße. Ich begann, mich mit den neuen Verhältnissen auseinanderzusetzen. In und außerhalb „der Institutionen“. Im Jugendhilfeausschuss mitzuarbeiten war für uns genauso wichtig wie für unsere Rechte zu kämpfen. Wie wählten die Mittel, die es gab. Jugendverbandsarbeit, bei der MJV/Junge Linke und der Sozialistischen Jugendvereinigung SJV, war für mich ein Weg, mich politisch zu entwickeln, mit Freundinnen und Freunden gemeinsam einzugreifen. Wir kämpften für den Erhalt der Jugendzentren DIMI 81 und Bunte Kuh in Prenzlauer Berg und Weißensee, arbeiteten theoretisch und praktisch – im Landesjugendring und auf der Straße. Viel Raum gehörte der Freizeitarbeit, wie die jährlichen Sommercamps in Graal-Müritz an der Ostsee. Von 1992-1995 war ich für unsere Jugendinitiative Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Bezirks Mitte. Mit einigen Mitstreitern aus dieser Zeit bin ich noch heute eng verbunden. Diese Jahre haben uns geprägt. Wie auch in den folgenden Jahren las ich viel, nährte meine Interessen in musikalischen Dingen und lernte die Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Netzwerke und Bewegungsformen kennen. Mit drei Freunden gründete ich gemeinsam das a-cappella-Quartett „Die Rostkehlchen“, welches sich später zum Quintett mauserte.
Ebenfalls im Jahr 1992 wurde ich Mitglied der PDS im Bezirk Prenzlauer Berg. Dort herrschte ein Klima, das mir gefiel und das nicht hauptsächlich dadurch geprägt war, die eigene Geschichte möglichst so lange verklärt festzuhalten, bis es nicht mehr geht. Dieser Bezirksverband hat in Berlin den Beschluß zur Offenlegung der politischen Biografien (nicht nur, wie es heut oft sehr verkürzt heißt: der MfS-Mitarbeit) mit erkämpft. Es gab Kontakte zu früheren Mitgliedern aus Oppositionszirkeln, die nicht schon immer eigentlich die Bundesrepublik fehlerfrei fanden und für Fukuyamas Ende der Geschichte hielten. Allerdings begann ich erst 1995, von der schwerpunktmäßigen Jugendverbandsarbeit weg- und auf die Arbeit in der PDS zuzukommen. Die Frage, ob ich mir eine Kandidatur für die Bezirksverordnetenversammlung vorstellen könnte, beantwortete ich nach einiger Überlegung mit „Ja“. So war ich dann bis 1999, als ich nicht wieder kandidierte, Jugend- und Haushaltspolitiker in der PDS-Fraktion. Es gelang uns trotz „pauschaler Minderausgaben“ in horrender Höhe bezirklich erfolgreich, eine sehr reichhaltige und bunte Szene von freien Jugendträgern zu erhalten und zu entwickeln. Leider ist es bis heute nicht gelungen, die Zumessungen von Haushaltsmitteln an die Bezirke transparent und planbar zu gestalten.
Von 1993 bis 1998 studierte ich Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität, machte dann meinen Zivildienst in der Seniorenbetreuung. In dieser Zeit begann ich mich – auch aus den bezirklichen Erfahrungen – stärker für Berlin-Politik zu interessieren. Die größenwahnsinnige Stadtpolitik – von Olympiabewerbung über die Privatisierungspolitik bis hin zur Förderung der städtischen Eliten – bei gleichzeitiger sinnfreier Kürzungspolitik in unserem Bezirk rief in mir Widerspruch hervor. Als die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe in die Debatte kam, hatte ich ein Thema gefunden. In meiner Partei wurde dieses Vorhaben sehr kritisch diskutiert, es wurde nach Wegen gesucht, es zu verhindern. Erfolglos. Ich allerdings hatte mein Promotionsthema gefunden. Dachte ich zumindest. Denn die Einsicht in die Verträge – Voraussetzung für eine seriöse juristische Befassung – wurde mir verweigert, weil zwischen Land und Bieterkonsortium Geheimhaltung vereinbart worden war. Eine Klage hätte Jahre gedauert. Zwar Fan lebenslangen Lernens, wollte ich dennoch nicht alt werden, bis ich mit der Arbeit beginnen konnte. So schrieb ich über den Strukturwandel im Wassersektor der Bundesrepublik.
Nach der Bezirksfusion arbeitete ich im neuen Bezirksverband aus den Organisationen von Weißensee, Pankow und Prenzlauer Berg als Stellvertretender Bezirksvorsitzender mit. Seit 2003 bin ich Mitglied des Abgeordnetenhauses, dort rechtspolitischer Sprecher meiner Fraktion. Im gleichen Jahr wurde ich Stellvertretender Landesvorsitzender, bis ich im Dezember 2005 den Landesvorsitz von Stefan Liebich übernahm.