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6. Mai 2008 Newsletter

DIE LINKE. Berlin konstituierte Geschichtskommission

Am gestrigen 5. Mai, dem 190. Geburtstag von Karl Marx, hat sich die Geschichtskommission des Landesverbandes DIE LINKE. Berlin konstituiert. Ihr gehören neben den Mitgliedern des Landesvorstandes Prof. Dr. Anni Seidl und Hassan Metwally die Historiker Prof. Dr. Mario Kessler, Dr. Volkmar Schöneburg, Dr. Detlef Nakath, Prof. Dr. Jürgen Hofmann und Dr. Wladislaw Hedeler an. Die Geschichtskommission hat die Aufgabe, die Diskussion im Landesverband zur Geschichte der Arbeiterbewegung und über die damit einhergehende Geschichte der gesellschaftlichen Entwicklung zu befördern. Sie wird sich mehrmals im Jahr treffen und will mit Diskussionsangeboten die innerparteiliche Debatte bereichern sowie DIE LINKE. Berlin bei Veranstaltungen zu historischen Anlässen unterstützen.

DIE LINKE. Berlin will einen eigenen Beitrag im Rahmen der Geschichtsdebatte der Partei DIE LINKE leisten. Gerade in Berlin, wo Ost und West auch mit einem unterschiedlichen Blickwinkel auf historische Ereignisse aufeinander treffen, erscheint uns das unverzichtbar. Wir wollen dabei weder den zumeist medial vermittelten Geschichtsinterpretationen politisch vorherrschender Kräfte das Feld überlassen, noch uns mit der Konservierung überholter Geschichtsdeutungen in Teilen der eigenen Mitgliedschaft abfinden. Historische Debatten sind in der Regel nie abgeschlossen. Das gilt insbesondere für politisch sensible Ereignisse und Themen der Zeitgeschichte. Selbst scheinbar schon diskutierte und durch die Forschung hinreichend geklärte Probleme können unter neuen Konstellationen ein erhebliches Konfliktpotenzial und einen dementsprechenden erneuten Diskussionsbedarf hervorrufen. DIE LINKE. Berlin hat auf neue Weise begonnen, sich mit historischen Fragestellungen zu befassen. Beispielhaft hierfür steht die Veranstaltung zum 90. Jahrestag der Oktoberrevolution am 7. November 2007 im Kino »Collosseum«. Hieran wollen wir anknüpfen. Im kommenden Jahr werden eine Reihe von Daten Anlass sein, sich mit historischen Ereignissen zu befassen, so bspw. die Jahrestage von 1919, 1939, 1949 und 1989.

Die Erfahrungen der letzten Jahre bestätigen, dass historische Themen in der öffentlichen politischen Debatte und Auseinandersetzung nach wie vor ein besonderes Gewicht haben. Auch das Selbstverständnis der Partei definiert sich neben den aktuellen Problemen zu erheblichen Teilen über Geschichtsbilder und deren Interpretation. Nach wie vor steht DIE LINKE in der Tradition der Kämpfe der internationalen Arbeiterbewegung, nach wie vor bekennt sie sich zum Erbe der SED-Geschichte. Die damit verbundenen Diskussionen im Kontext der bundesdeutschen und DDR-Geschichte, aber auch im internationalen Kontext der bipolaren Welt, nehmen ebenfalls nach wie vor einen beachtlichen Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung unserer Partei ein. Nicht zuletzt die Parteineubildung lässt den Geschichtsdiskurs auch zum praktischen Prozess wechselseitiger Aneignung von Erfahrungen werden. Das ist für das politische Bewusstsein in unserer Partei und für unsere politische Identität von ausschlaggebender Bedeutung.

Klaus Lederer und Carsten Schatz